Raumfahrt

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland auf dem Gebiet der Forschung unter Weltraumbedingungen (Lebens- und Materialwissenschaften) verläuft für beide Seiten in jeder Hinsicht – wissenschaftlich und technisch – äußerst erfolgreich. Das deutsche nationale Programm wird unter Führung, Verantwortung und Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) umgesetzt.

Forschung im Kosmos

Bereits 1989 wurden deutsche Experimente zur Strahlenbiologie und Biotechnologie auf unbemannten russischen Rückkehrsatelliten vom Typ FOTON durchgeführt. Bis heute wird FOTON intensiv für deutsche bio- und materialwissenschaftliche Experimente und Apparaturen genutzt (insgesamt 7 Flüge). Eine besonders intensive Kooperation findet in der bemannten Raumfahrt statt.

Deutsch-russische Missionen

Am 17. März 1992 startete der deutsche Kosmonaut Klaus Flade zur russischen Raumstation MIR und führte dort für die Dauer von sieben Tagen ein sehr komplexes Experimentalprogramm im Rahmen der deutsch-russischen Mission MIR‘92 durch. Diese Kooperation auf dem Gebiet der medizinischen Forschung wurde unter Beteiligung russischer Kosmonauten mit den Programmen MIR‘92E (1994-1995) und MIR-Priroda (1996 – 2000) kontinuierlich fortgeführt. Eine weitere deutsch-russische Mission, MIR’97, mit dem deutschen Kosmonauten Reinold Ewald konnte im Februar / März 1997 durchgeführt werden.

Auch die europäischen Missionen zur russischen Raumstation MIR zwischen 1994 und 1996 waren geprägt durch die Beiträge deutscher Wissenschaftler sowie die Teilnahme des deutschen ESA-Kosmonauten Thomas Reiter (EUROMIR‘95). Und selbst die französisch-russische Mission PERSEUS (1997) fand mit deutscher wissenschaftlicher Beteiligung statt.

Auf der Basis der langjährigen deutsch-russischen Zusammenarbeit wurde seit der Aufnahme der Arbeiten an Bord der ISS im Jahr 2001 eine Vielzahl deutscher Experimente in bilateraler Kooperation entwickelt und durchgeführt. Die naturwissenschaftliche Forschung auf der ISS begann mit dem deutsch-russischen Plasmaphysikexperiment, das seit März 2001 kontinuierlich fortgesetzt wird. Ein weiteres Experiment ist das vom DLR im Rahmen des nationalen Programms entwickelte 3D Eye Tracking Device-System. Dieses System wird seit April 2004 kontinuierlich für Langzeitstudien zum Gleichgewichtssystem mit russischen Kosmonauten eingesetzt. Weitere Entwicklungen im Bereich der Herz/Kreislauf- und Leistungsphysiologie sind bereits vereinbart und sollen noch 2007 zu Einsatz kommen. Im Rahmen des nationalen Technologieprogramms wird im Bereich Automation und Robotik (A&R) das Vorhaben ROKVISS, ein Experiment zur Robotikkomponenten-Verifikation auf dem russischen Segment der Internationalen Raumstation (ISS), durchgeführt. Das Vorhaben hat zum Ziel, neuartige, hoch integrierte Robotikkomponenten und fortschrittliche Betriebsarten unter den Bedingungen des freien Weltraums zu demonstrieren und zu verifizieren. Seit der Inbetriebnahme im Januar 2005 arbeitet die Anlage erfolgreich.


Zusätzlich zu diesen bilateralen Kooperationen nutzen deutsche Wissenschaftler die ISS über das ESA-Programm. Die ESA Taximissionen mit europäischen Kosmonauten seit 2001 sowie der Langzeitaufenthalt des deutschen ESA-Astronauten Thomas Reiter im Rahmen der ASTROLAB
Mission (2006) sind dafür erfolgreiche Beispiele. Thomas Reiter übernahm während seiner Mission die Position des Bordingenieurs 2, die ursprünglich für einen russischen Kosmonauten vorgesehen war. Als erster Europäer trug er Verantwortung für die Lösung lebenswichtige Aufgaben auf der ISS, insbesondere auf dem russischen Segment. Dazu gehörten Navigation und Lagekontrolle, Beobachtung der Umweltbedingungen, Kontrolle der Lebenshaltungssysteme, Überwachung der Gesundheit und Sicherheit der Mannschaft sowie Außenbordeinsätze. Als verlässlicher ISS-Partner wird Russland auch in Zukunft von großer Bedeutung für die deutschen und europäischen Raumfahrtaktivitäten sein.

Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Extraterrestrik mit der erfolgreichen Sonnenmission KORONAS im Jahr 1994, der leider gescheiterten Mission MARS 94–96 und neuerdings mit eROSITA, einem der Hauptinstrumente auf dem für 2011 geplanten russischen Spektrum-Röntgen-Gamma-Satelliten sollte gleichwohl hervorgehoben werden. Ausgehend von den Erfahrungen der Vergangenheit und den gegenwärtigen Möglichkeiten sind für die rein bilaterale nationale Kooperation im Bereich Raumfahrt folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Forschung unter Weltraumbedingungen (Lebens- und Materialwissenschaften),
  • Grundlagenforschung zur Physik des Universums (Röntgen- und Gammaastronomie),
  • Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklung neuer komplexer Robotersysteme für den Einsatz von Servicerobotern im freien Weltraum.