Europäische Programme

Im Zeitalter der Globalisierung müssen Wissenschaft und Bildung mehr denn je international ausgerichtet sein, wenn sie ihre Leistungsfähigkeit erhalten und steigern wollen. Wissenschaft und Bildung sind Motor des Globalisierungsprozesses und zugleich Wegbereiter zwischenstaatlicher und wirtschaftlicher Beziehungen. Nur die aktive Beteiligung an diesem Prozess ermöglicht es, ihn zu gestalten und daraus Nutzen zu ziehen.

Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der Europäischen Union

Europäische und internationale Programme und Organisationen bieten weiter wachsende Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Wissenschaftlern. Von herausragender Bedeutung ist dabei das Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der Europäischen Union, das im Dezember 2006 für den Zeitraum 2007 bis 2013 als siebentes Rahmenprogramm auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Die Teilnahme an diesem Programm steht russischen Hochschulen, weiteren Wissenschaftseinrichtungen aber auch Unternehmen in weiten Bereichen offen. Die Russische Föderation war bereits während des ausgelaufenen sechsten Rahmenprogramms mit annähernd 300 Projektbeteiligungen das erfolgreichste Drittland – in vielen Fällen gemeinsam mit deutschen Partnereinrichtungen. Damit ist das Rahmenprogramm ein wesentliches Instrument zur Ausgestaltung der Wissenschaftsbeziehungen zwischen der EU und der Russischen Föderation, die einen wichtigen Platz einnehmen innerhalb der in vier „Gemeinsamen Räumen“ verwirklichten strategischen Partnerschaft dieser beiden wichtigen Weltregionen.

Die aktuelle Herausforderung besteht darin, die im 7. Forschungsrahmenprogramm angebotenen erweiterten Möglichkeiten für die Zusammenarbeit deutscher und russischer Wissenschaftler im gemeinsamen Interesse zu nutzen. Die von der Europäischen Kommission und der Russischen Föderation identifizierten prioritären Themen im Rahmenprogramm sind dabei

  • Biotechnologie und Gesundheit
  • Nanowissenschaften und Nanotechnologie
  • Energieforschung und
  • Informations- und Kommunikationstechnologien.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation arbeiten sehr eng zusammen, um die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Nutzung der europäischen Förderangebote zu verbessern. Gemeinsame Initiativen für entsprechende Koordinierungsmaßnahmen werden seit 2005 ergriffen und führten u.a. zu der von der EU geförderten Spezifischen Unterstützungsmaßnahme „Szenarien für einen koordinierten Ansatz der Forschungszusammenarbeit mit den östlichen Nachbarn der EU – SCOPE-EAST“.

Internationale Vereinigung zur Förderung der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Neuen Unabhängigen Staaten der früheren Sowjetunion (INTAS)

Eine große Bedeutung für das Zusammenwachsen der Wissenschaftsgemeinschaften der Europäischen Union, Assoziierter Staaten und der Russischen Föderation hat die 1993 als Stiftung belgischen Rechts mit Sitz in Brüssel gegründete „Internationale Vereinigung zur Förderung der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Neuen Unabhängigen Staaten der früheren Sowjetunion (INTAS)“. Über den Zeitraum von 1993 bis 2006 haben sich die Aufgaben von INTAS ständig erweitert. Neben der zentralen Förderung gemeinsamer exzellenter Forschungsprojekte in nahezu allen Fachdisziplinen gewährt INTAS Stipendien für Nachwuchswissenschaftler und unterstützt Innovationsprojekte, die Organisation von Sommerschulen, Konferenzen sowie ausgewählte Infrastrukturmaßnahmen. Hervorzuheben sind gemeinsame Förderbekanntmachungen mit Partnerorganisationen in den INTAS Mitgliedstaaten – in Deutschland mit der DFG und der GSI. Seit seiner Gründung bis zum Ende des 6. Forschungsrahmenprogramms erhielt INTAS insgesamt 241,5 Millionen Euro Fördermitteln von der Europäischen Kommission. Vor dem Hintergrund der erfolgten Stabilisierung der russischen Wissenschaftslandschaft und ihrer inzwischen etablierten intensiven internationalen Vernetzung einerseits sowie der oben beschriebenen weitgehenden Öffnung des EU-Forschungsrahmenprogramms für russische Einrichtungen anderseits, wird INTAS seine Arbeit Ende 2009 einstellen.

Internationale Wissenschaft- und Technologie-Zentrum (IWTZ)

Zu einem wichtigen Bindeglied in der deutsch-russischen Kooperation ist das 1992 von der Europäischen Union (EU), den USA, Japan und der Russischen Föderation gegründete Internationale Wissenschaft- und Technologie-Zentrum (IWTZ) in Moskau geworden, das in Russland und anderen GUS-Ländern die Konversion der ehemaligen Waffenwissenschaftler/innen und deren Integration in die zivile Forschung durch finanzielle Unterstützung von entsprechenden FuE-Projekten in der Grundlagen- und der angewandten Forschung fördert. Seit Beginn dieser Projektförderung 1994 sind inzwischen mehr als 65.000 russische Wissenschaftler und Ingenieure in mehr als 2400 Projekten von mehr als 700 Instituten mit ca. 740 Mio. US-$ unterstützt worden, wobei die Eigenkosten auf russischer Seite in der genannten Summe nicht berücksichtigt sind. Darüber hinaus verfügt das IWTZ in seinen Datenbanken über umfangreiche weitere Informationen zum Forschungspotenzial in Russland. Die Projekte werden grundsätzlich mit Beteiligung namhafter FuE-Einrichtungen, den sogenannten „Collaborators“ oder Partnern aus den finanzierenden Ländern bzw. aus den EU-MS durchgeführt. Forschungseinrichtungen aus Deutschland sind dabei besonders stark vertreten.

Die IWTZ-Förderschwerpunkte von 1994 – 2006 betreffen die

  • Biowissenschaften,
  • Umwelttechnologien und Klimaforschung,
  • Energieforschung - hier insbesondere Kernenergie,
  • Information und Kommunikationstechnologien,
  • Luft- und Raumfahrt,
  • Verkehrstechnologien,
  • Materialforschung,
  • Physik,
  • Produktions- und Messverfahren.

Angesichts der hohen Qualität des russischen Forschungspotenzials, welches zuvor Grundlage der erfolgreichen Rüstungs- und Weltraumprojekte der früheren UdSSR war, hat das IWTZ ab 1997 damit begonnen, Partner-Projekte im Rahmen des IWTZ-Partnerprogramms von Instituten in den GUS-Staaten mit großen Forschungseinrichtungen und Firmen in der EU, Japan und den USA zu initiieren. In Deutschland nutzen dieses Angebot u. a. die Forschungszentren Jülich und Karlsruhe, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Bayer AG, EADSAstrium und Lambda Physik GmbH. Mit seiner Arbeit hat sich auch das IWTZ zu einer bedeutsamen Beratungs- und Kontaktinstanz weit über die deutsch-russischen Kooperationen hinaus entwickelt.

EUREKA, COST und weitere Wissenschaftszentren

EUREKA und COST sind weitere bedeutende Initiativen, die gemeinsam von deutschen und russischen Wissenschaftlern genutzt werden.

EUREKA wurde 1985 als zwischenstaatliche Initiative gegründet, um die technologische Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken. Die Initiative bietet Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen den Rahmen für grenzüberschreitende und marktorientierte Kooperationen zur Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Derzeit zählt die Initiative 37 Staaten und die Europäische Kommission zu ihren Mitgliedern. Russland ist seit 1993 Mitglied von EUREKA. Bis Ende 2006 wurden gemeinsam mit russischen Partnern 23 EUREKA-Projekte durchgeführt.

COST ist ein europäischer zwischenstaatlicher Rahmen für die Koordination von national durchgeführten Forschungsaktivitäten in allen Bereichen von Wissenschaft und Technologie. Seit den Anfängen 1971 ist die Beteiligung auf 34 Mitgliedsländer weltweit angewachsen. In COST werden nationale Forschungsaktivitäten zu definierten Themen in Form von konzertierten Aktionen auf europäischer Ebene zusammengeführt und koordiniert. Obwohl Russland kein COST-Mitgliedsland ist, steht die Mitarbeit in COST Aktionen auch russischen Wissenschaftlern offen. Russland gehört zu den Nicht-Mitgliedsländern mit der höchsten Beteiligung - insgesamt waren Ende 2006 russische Wissenschaftler an 34 der insgesamt rund 200 COST Aktionen beteiligt – in jedem Einzelfall auch mit deutscher Beteiligung.

Nicht zuletzt findet die deutsch-russische Wissenschaftskooperation auch an zahlreichen europäischen und internationalen Wissenschaftszentren wie dem CERN in Grenoble oder dem Vereinigten Institut für Kernforschung (VIK) in Dubna statt. Mit Blick in die Zukunft wird Russland sich am Aufbau und dem Betrieb von zwei durch Deutschland vorgeschlagenen strategisch wichtigen internationalen Großgeräten – dem Freier-Elektronen- Röntgenlaser XFEL in Hamburg, und der Beschleunigeranlage FAIR in Darmstadt - beteiligen.