Biotechnologie

Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Biowissenschaften. Sie tragen entscheidend zum Verständnis lebender Organismen und ökologischer Systeme bei. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten in der Aufklärung von Krankheiten und erschließt neue Therapien. Deutschland und Russland haben bereits vor 16 Jahren das wissenschaftliche Potenzial in diesem Bereich erkannt und gemeinsame Projekte bearbeitet. Die vorhandenen Kooperationen auf den Gebieten Genom- und Proteomforschung, Bioinformatik, Forschung zur biologischen Sicherheit, Nanobiotechnologie und Bioethik sollen ausgebaut werden.
Die fundamentalen neuen Erkenntnisse, die Fortschritte in den dazugehörigen Technologien und ihre breite Anwendung in der Gesundheits-, Umwelt- und Ernährungsforschung werden weitreichende Auswirkungen auf die gesundheitliche Versorgung, die Beherrschung von Umweltgefahren und unser gesamtes gesellschaftliches Leben haben.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Die Schwerpunkte der Bundesregierung zur Förderung der biotechnologischen Forschungleiten bilden sich aus der Hightech-Strategie ab.

Die Biotechnologie ist inzwischen Ausgangspunkt und Motor für zahlreiche Anwendungen in der Medizin, der Ernährungs- und Futtermittelindustrie und der chemischen Industrie. Sie wird von der Medikamentenherstellung über neue Diagnose- und Therapiekonzepte, der Produktion von Feinchemikalien bis hin zu Verfahren der Abwasserreinigung und Energiegewinnung aus Biomasse eingesetzt. Rund 500 Biotechnologie-Unternehmen sind in Deutschland angesiedelt, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, den Biotechnologie-Standort Deutschland europaweit nicht nur hinsichtlich der Zahl der Unternehmen, sondern auch der Umsatz- und Beschäftigtenzahlen an die Spitze zu führen. Sie strebt an, Wachstumsbremsen zu identifizieren und abzubauen.

Um die wissenschaftlichen Grundlagen der Biotechnologie zu erweitern, sind drei Forschungsfelder zentral:

  • Genomforschung: Sie analysiert die genetischen Baupläne von Mikroorganismen Pflanzen und Tieren bis hin zum Menschen.
  • Systembiologie: Sie zielt auf ein quantitatives Verständnis der dynamischen Lebensprozesse durch Modellierung dieser Vorgänge im Computer ab.
  • Molekulare Medizin: Sie klärt die molekularen Grundlagen menschlicher Erkrankungen auf.

Die Förderung grundlagennaher Forschungsvorhaben soll neue Innovations- und Wertschöpfungspotenziale in den Branchen Chemie, Ernährung, Landwirtschaft, Medizin sowie – über die Lebenswissenschaften hinaus – den Informationstechnologien zu erschließen.

Neue Schlüsselfelder wie die weiße Biotechnologie und die Nanobiotechnologie sollen erschlossen werden.

Weiße Biotechnologie
Die Biotechnologie führt zu neuen industriell nutzbaren Produkten und macht Industrieprozesse umweltschonender. So arbeiten die Forscher/innen beispielsweise an der Entwicklung von umweltverträglichen Biochemikalien, biologisch basierten Materialien für den Kunststoffersatz, Fein- und Spezialchemikalien sowie von Enzymen für die Stoffumwandlung nicht nur in Waschmitteln. Lebenswissenschaftler und Ingenieure arbeiten eng zusammen mit dem Ziel, biologische Systeme industriell zu nutzen. Damit Deutschland auch auf diesem neuen Feld der Biotechnologie eine führende Rolle spielt, hat das BMBF die Förderinitiative „Bio-Industrie 2021“ ins Leben gerufen. 

Nanobiotechnologie
Im Zuge der Miniaturisierung hat sich an der Schnittstelle zwischen Bio- und Nanotechnologie die Nanobiotechnologie herausgebildet. Sie baut die Brücke zwischen der belebten und unbelebten Natur und treibt die konsequente Vernetzung von Biotechnologie und von Nanotechnologie in beiden Forschungsrichtungen voran. Mit der Förderinitiative „Nanobiotechnologie“ unterstützt das BMBF die Forschung in diesem Bereich.

Deutsch-Russische Zusammenarbeit in der Biotechnologie

Deutschland und Russland betrachten die Kooperation auf dem Gebiet der Biotechnologie als wichtiges Instrument zur Beschleunigung der Innovationsdynamik in Industrie
und Landwirtschaft. Dabei geht es einerseits um die Vernetzung der führenden wissenschaftlichen Expertise auf den Zukunftsfeldern der biotechnologischen Forschung, insbesondere auf den Gebieten Bioinformatik, Proteomforschung und Systembiologie. Andererseits sollen Ergebnisse aus der Forschung im Rahmen transnationaler Technologietransferprozesse rasch kommerzialisiert werden.
Mit Blick auf diese Zielsetzungen sind folgende Ereignisse abgeschlossener und laufender Projekte hervorzuheben:

  • März 2005: bilateraler Workshop zur Bioinformatik in Moskau; Ergebnis: Die Universität Bielefeld als deutscher Co-Veranstalter wird sich gemeinsam mit Partnern aus Russland an diversen Ausschreibungen der EU und des BMBF beteiligen und mit eigenen Mitteln eine Kooperation einleiten.
  • Oktober 2005: Start des deutsch-russischen Projekts zum Technologietransfer in der Biotechnologie auf.

Russland ist Partner in dem vom BMBF koordinierten „ERA -Net Systembiologie“. Ziel ist, die Förderpolitik zur Systembiologie in Europa zu koordinieren und  gemeinsame Förderbekanntmachungen der nationalen Förderagenturen zu vereinbaren. Start des ERA -Net war am 15. März 2006 in Berlin. Russland hat die Chance, über dieses ERA -Net Projektfördermechanismen zu entwickeln, die kongruent zu denen in der EU (D) sind. Dies ist Voraussetzung für jedwede weitere systematische Zusammenarbeit in der Biotechnologie. Wegen seiner international anerkannten Position in der Bioinformatik hat Russland gute Chancen, zu einem starken Partner innerhalb des ERA -Net zu werden.

  • Ministerium

    Schwerpunkte der Biotechnologie

    Die 1994 unterzeichnete Fachvereinbarung auf dem Gebiet der Biologischen Forschung und Biotechnologie wurde anlässlich des Treffens der Ko-Vorsitzenden der Gemischten Kommission für Wissenschaftlich-Technische Zusammenarbeit am 24. August 2006 wiederholt um vier Jahre bis zum Juni 2010 verlängert. Gleichzeitig wurden die thematischen Schwerpunkte um den Bereich der Lebenswissenschaften sowie um die praktische Nutzung von Forschungsergebnissen beider Fachbereiche ergänzt. Ziel ist, diese Ergebnisse weiterzuentwickeln und der deutsch-russischen Kooperation neue und zusätzliche Impulse zu verleihen.
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  • Ministerium

    Projekte

    Hier finden Sie ausschließlich Beispiele der deutsch-russischen Zusammenarbeit aus der Förderung des BMBF.
    [mehr...] (URL: http://www.deutsch-russische-partnerschaft.de/de/128.php)