Schwerpunkte der IKT

In der deutsch-russischen Kooperation im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien verbindet sich in hervorragender Weise das große und exzellente Potenzial russischer Mathematiker/innen und grundlagenorientierter Software-Wissenschaftler/innen, mit den stärker anwendungsorientierten Forschungsansätzen, die im Rahmen der BMBF-Fachprogramme gefördert werden.
Seit sieben Jahren kooperieren die Universität des Saarlandes und die Pacific National University (PNU) in Chabarowsk auf dem Gebiet der Informatik. Während dieser Zeit haben mehr als 25 Studenten/innen der PNU erfolgreich ihr Masterstudium in Saarbrücken abgeschlossen. Zehn von ihnen haben bereits ein Promotionsstudium in Saarbrücken begonnen, das voraussichtlich sieben Studentinnen und Studenten Ende 2007 erfolgreich abschließen werden. Seit Herbst 2005 bieten die Universität des Saarlandes und die PNU ein gemeinsames Masterstudium in Informatik an. Studentinnen und Studenten, die in Chabarowsk erfolgreich an diesem Programm teilnehmen, erhalten ihren Master in Informatik von der Universität des Saarlandes.

Ebenfalls seit Herbst 2005 ist die PNU ein Unterauftragnehmer im BMBF-geförderten Forschungsprojekt Verisoft. Unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Paul (Universität des Saarlandes), der auch Ehrendoktor der PNU ist, entwickelt dieses Projekt Methoden formaler Verifikation, mithilfe derer – mathematisch präzise – nachgewiesen werden kann, dass Soft- und Hardware beispielsweise im Automobil keine Entwurfsfehler enthalten. Bei gleichzeitiger Kostenreduzierung wird so die Zuverlässigkeit der Systeme entscheidend erhöht. Die Doktoranden der PNU, Chabarowsk haben am Erreichen der der Projektziele einen großen Anteil gehabt. Als Folge der erfolgreichen Zusammenarbeit hat sich die PNU auf dem Gebiet der formalen Verifikation international einen hohen wissenschaftlichen Stellenwert erarbeitet. Für Verisoft ist die Kooperation der beiden Universitäten daher von entscheidender Bedeutung.

Für die sichere Nutzung des Internets reichen die in den vergangenen Jahren entwickelten passiven Techniken zum Schutz vor Einbrüchen, wie beispielsweise Firewalls, Virtual Private Networks und Verschlüsselungstechnologien immer weniger aus. Daher ist die Computer- und Netzwerksicherheit zu einem immer wichtigeren gesellschaftlichen Faktor geworden. Die Detektion und der Schutz vor Einbrüchen aus dem Internet in Computersysteme sind demzufolge in das Zentrum des Interesses gerückt. Ohne das Wissen über potenzielle Angriffe ist der adäquate Schutz moderner IT-Systeme jedoch nahezu ausgeschlossen. Das Ziel von „Intrusion Detection“ ist es, die Hackerangriffe auf die Sicherheitsmechanismen von Computersystemen bzw. -netzwerken möglichst frühzeitig zu entdecken. In dem sehr erfolgreichen deutsch-russischen Kooperationsprojekt MIND (Maschinelles Lernen für Intrusion Detection) werden daher neuartige, auf den Techniken des maschinellen Lernens basierte Intrusion- Detection-Verfahren untersucht und weiterentwickelt, die in der Lage sind, aus verschiedenen Datenströmen vorher unbekannte Angriffe mit hoher Genauigkeit zu erkennen. Konsortialführer des seit 2004 laufenden Projekts ist das Fraunhofer-Institut für Rechenarchitektur und Softwaretechnik (FhG-FIRST); das St. Petersburger Institut für Informatik der Russischen Akademie der Wissenschaften (SPIIRAS) ist Unterauftragnehmer.

FhG-FIRST und SPIIRAS haben bereits vielfältige wissenschaftliche und technische Ergebnisse beispielsweise aus dem Bereich der Lernalgorithmen und der Lerntechniken für strukturierte Daten erzielt. Die entwickelten Lerntechniken umfassen alle Phasen der Datenverarbeitung bei Intrusion-Detection-Systemen.